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Für Oma

Sterben ist kein ewiges getrennt werden;
es gibt ein Wiedersehen an einem helleren Tag.

In unseren Herzen wirst du ewig lebendig sein!
14.8.06 03:20


Die Zeit mit Thomas, die erste: Geburtstagswochenende

Werde die letzten Wochen mal langsam aufarbeiten:
Mein erstes Geburtstagsgeschenk kam schon am Donnerstag , den 27. Juli an: Thomas!
Yeah!
Hab ihn auch am ersten Tag direkt zum Atlanta-Sightseeing gezwungen – man muss ja den Jetlag bekämpfen. Schön dann auch, dass ich am Ende des Tages mal wieder müder war als er… Aber so muss das wohl sein!
Freitags war ich noch arbeiten – Thomas hat die Zeit dann zum weiteren Sightseeing genutzt und es tatsächlich geschafft, in seinen ersten Stunden in Atlanta TT-Pins für meinen Pa aufzutreiben; ich hab das in drei Monaten nicht geschafft… Aber ich muss ja auch keine Punkte mehr sammeln :-)
Abends direkt im Anschluss ans Arbeiten haben wir uns dann auf den Weg zum Turner Field gemacht. Das ehemalige Olympia-Stadion wurde zu einem RiesenBaseballstadion umgebaut und wir haben uns die Atlanta Braves gegen die NY Mets angeguckt.
Das Spiel war eher langweilig (wenn man keine Ahnung hat…), dafür haben wir dann davon profitiert, dass die Amis ständig bespaßt werden müssen: zur Unterhaltung während des Spiels wurden auf einer Leinwand mit dem Publikum Spielchen gemacht. Von der „Kiss Cam“ über Fragen zum Baseball bishin zu Tanzeinlagen war alles dabei. So gehört sich das – und auch wir waren unterhalten!
Der „Braves Move“ hat es mir besonders angetan: man hämmert mit nem Tomahawk – hab dann prompt auch nen Schaumstoffhammer von den Interns geschenkt bekommen habe. Leidenschaft muss unterstützt werden :-)
Krönender Abschluß (und natürlich nur zu Ehren meines bevorstehenden Geburtstages) gab es dann ein fettes Feuerwerk. Und das muss man den Amis ja lassen: es wird nicht gekleckert, es wird geklotzt! Sehr schön!!!!
Um 0h stand ich dann mit Thomas in der MARTA auf dem Heimweg umgeben von und gepresst an viele dicke und schwitzende Amis… Ich werde langsam alt :-)
Neben Geschenke auspacken, Video gucken und Karten lesen (danke Euch allen, die an mich gedacht haben!) stand für den 29. dann die Outlet Mall auf dem Programm. Shoppen bis zur Besinnungslosigkeit – wie könnte man einen Geburtstag besser verbringen?! :-)
Interessant dann auch, dass Thomas von uns allen (wir waren mit Susanne und Jan und seiner Freundin) am meisten gekauft hat…
Abends waren wir dann noch auf ner Party bei einer Managerin von der Lufthansa. Mussten alle von Kopf bis Fuß in einer Farbe gekleidet sein – und ein „Gericht“ in der gleichen Farbe mitbringen. Ihr dürft dreimal raten, für welche Farbe ich mich entschieden habe… :-)

PICS:
http://www.arcor.de/palb/einladung_accept.jsp?key=IJHVH84CZDM%2FuRjRlnAN25%2FJfoMjV5fiosTBLFIz%2BgSg0GeTXfP4AQ%3D%3D
14.8.06 03:38


Die Zeit mit Thomas, die zweite: Boston

Am Montag sind Thomas und ich dann nach Boston geflogen.
Unser Roadtrip begann dann mit dem Abholen unseres Mietwagens (eigentlich gings schon los damit, nen Parkplatz für mein Auto in Atlanta zu finden – aber na, gut :-)) – alles problemlos. Und die Leute in Boston: super nett!
Sind direkt mal auf den Strich gegangen. Nein, nicht, weil wir chronisch an Geldmangel gelitten haben (an unserem ersten Tag haben wir uns noch ein Luxusmenü in einem echten Restaurant gegönnt – billiges Fastfood kam erst später, auch die Nacht haben wir in einem Hotel verbracht, was zwar nicht ausstattungsmäßig allerdings preislich ein wenig über unserem Budget lag – das CouponHeftchen haben wir erst am nächsten Tag gefunden), sondern weil der so genannte Freedom Trail mit einem roten Strich quer durch Boston gekennzeichnet ist! Und man muss doch zugeben: Boston hat Geschichte, hat historische Gebäude – ist verdammt europäisch, sprich: sehr schön! :-)
Am zweiten Tag habe ich mir mal angeguckt, ob Harvard für Thomas ein angemessener Arbeitsplatz wäre und ich mich damit anfreunden könnte – zumindest zum TShirtkauf hat es uns angeregt – also nicht allzu schlecht. Sind auf unserer Reise aber an besseren Stätten für Thomas zukünftigen Job vorbei gekommen. Später…
Der Felsen, an dem die Pilgerväter 1620 in Plymouth gestrandet sind, ist ein Steinchen, wie mein Onkel sie gerne von Sylt mitnimmt und in seinen Vorgarten legt – aber nun gut. Dafür hätten wir uns für $8 die Mayflower II anschauen können oder gar für $21 ein paar armen Studenten in Ferienjobs dabei zu sehen können, wie sie so tun, als würden sie in einem Pilgrim-Dorf leben. Wir haben stattdessen eine andere lebensrettende Entdeckung gemacht: das bereits erwähnt CouponHeftchen, in dem sich Rabatte und Location sämtlicher Motels entlang der Ostküste befanden. Unser Schlafplatz für den zweiten Abend hatte sich somit gefunden (auch wenn wir statt der versprochenen $39 $69 bezahlt haben – so ist das mit Touristennap).
14.8.06 04:20


Die Zeit mit Thomas, die dritte: Roadtrip

Haben auf unserem Trip die ein oder andere spannende Entdeckung gemacht (frei nach dem amerikanischen Motto: Did you know?")- unter anderem, dass Deutsche hier überall in Amerika lauern: da lästert man in aller Ruhe über jemanden ab, weil man sich ja in Sicherheit wägt – ja, und dann stellt sich raus, dass diese Personen unsere Sprache beherrschen. Gut, dass Thomas trainiert :-)

Des Weiteren: Wenn in einem Reiseführer steht, dass sich eine Strecke auch zum Fahrradfahren eignet (bzw. sehr schön zum Fahrradfahren ist), muss man damit rechnen, dass diese Straße einer Autobahn ähnelt (mindestens 4spurig), Amis mit Zweirädern nicht vertraut sind (was nicht zum Vorteil eines Fahrradfahrers ist - einen Zweikampf mit einem der 5mal10m Trucks überstehen die wenigsten) und dass die Schönheit einer Strecke nicht unbedingt mit der Aussicht, die man von dieser Straße aus hat, zusammenhängt (womit dann, weiß ich allerdings auch nicht): Die Straße, die sich durch Cape Cod kringelt, bringt einem zwar von einem Ende zum anderen, schön ist aber was anderes.

Dafür sind die Strände ein absoluter Traum - wenn man bereit ist, $20 fürs Parken zu bezahlen! Amis brauchen keine Kurtaxe, die nehmen Parkgeld. Anders als per Auto kommt man nämlich nicht zum Strand – und innerhalb einer Reichweite von einer Stunde Fußmarsch ist das Parken ansonsten verboten…

Continental Breakfast enthält Kaffee, Muffin, Cereals (sogar die ohne Geschmack, die Thomas mag) – und geschmacklich nicht zu identifizierende gelbliche Flüssigkeiten. Allerdings kann man diese auch mal am Pool genießen (wenn man sich mit der Tatsache abfindet, dass sich der Pool in der Mitte eines Parkplatzes – nur mit einem Drahtzaun abgetrennt – befindet. Kommt Thomas Vorstellung von einem Garten jedoch sehr nah :-))

Wenn man sich ein Getränk an der Tankstelle holt , was die Amis als „groß“ bezeichnen und „Super Gulp“ heißt, darf man sich nicht irritieren lassen, dass dieses Getränk nur 89cent kostet: Es ist groß – und zwar 1,5Liter groß! Glücklicherweise sind aber die Cupholder, die man in den Autos findet hier in der Lage, Getränke jeder Größe zu fassen (in unserem Auto haben die gleich Schalthebel ans Lenkrad gepackt und die Handbremse weggelassen, damit man da eine schöne, große Armlehne mit Cupholdern platzieren kann).

Wenn man dann in sein Billighotel zurückkommt, sich wundert, warum alles so dunkel ist (ja, ist ne Spelunke – aber so dunkel?!), beim Aussteigen aus dem Auto von ohrenbetäubender Musik und hysterischem Geschrei (Hey, the party is over here!) überrascht wird, sollte man sich nicht wundern, wenn das Licht sich beim Betreten des Zimmers nicht einschalten lässt - und noch nicht mal die Klimaanlage läuft (kein Wunder, dass die Amis durchdrehen!): Dank der Tatsache, dass die Amerikaner es nicht geschafft haben, ihre Kabel unterirdisch zu verlegen, muss man bei jedem Gewitter mit Stromausfällen rechnen!
Dank beleuchteten Display am Handy findet man dann noch den Weg ins Bad, das Bett – aber das wars dann auch schon an Komfort!
Die haben es tatsächlich nicht geschafft, bis zum nächsten Morgen wieder Strom in die Anlage zu bekommen (wodurch dann auch das Continental Breakfast ausgefallen ist), wir haben im Dunkeln geduscht – aber nen Discount auf unsere Übernachtungskosten bekommt.
Die Receptionistin hat sich dann bedankt, dass wir so verständnisvoll sind (auch wenn ich die einzige war, die verständnisvoll getan hat) – was Thomas dann kommentierte: „We are from Germany – we are used to live without electricity. We don’t have any back home.“

Aber schön wars in Newport, Mystic, Groton,… und vor allem Yale. Denen habe ich dann auch direkt die Erlaubnis erteilt, Thomas zu recruiten, sobald er seinen Doktor hat!
16.8.06 04:04


Die Zeit mit Thomas, die vierte: NYC

Zuerst sei mal gesagt: I love NY!
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. An der ein oder anderen Stelle wäre ich vermutlich von hupenden Taxen überfahren, zumindest aber ausgeraubt worden, da mein Blick mal wieder nur den Hochhäusern und den blinkenden Reklametafeln galt – toll, also der Blick, nicht das potentiell Überfahren werden. Hab gar nicht mitgekriegt, dass wir uns durch Touristenmassen oder gar über stark befahrende Straßen geschlängelt haben – aber dafür hab ich ja Thomas :-)
Also bei mir hat das Kirmes-typische ausblenden der unangenehmen Aspekte mal wieder hervorragend geklappt. Ich hab wieder mal nur das gesehen, was ich sehen wollte – und das waren eben diese faszinierenden Hochhäuser oder blinkenden Reklametafeln. Das Elend, den Schmutz, den Lärm,… das hat Thomas alles für mich wahrnehmen müssen.
Generell ist alles in Amerika ja das "Super"-Land, man könnte es auch das Land der Superlative nennen. alles ist das größte, kleinste, schönste, berühmteste, teuerste, ungesündeste,... Und natürlich auch das "Meist"-Land.
Und da NYC die Vorzeigestadt eben dieses Landes ist... Für manches fehlen einem da dann auch einfach die Worte (sogar mir)!
Absolut genial war z.B. auch das Toys’R’Us aufm Timessquare: Ein lebensgroßer Dinosaurier, der die entsprechenden Geräusche gemacht und sich bewegt hat – Wow! Das ein oder andere kleine Kind hat auch leicht hysterisch geschrien bzw. sich an seine Mama geklammert. Oder ein Riesenrad mitten im Geschäft, wo die einzelnen Wagons nach Spielzeugcharakteren gestaltet waren. Thomas war natürlich von der StarWars-Abteilung begeistert – ich hab mich im lebensgroßen Barbie-Haus fotografieren lassen… Also schon beeindruckend!
Im DisneyShop haben wir nur n Foto mit Goofy und der als Freiheitsstatue verkleideten Minnie Mouse gemacht, bei Build-a-Bear den Krummelmonstersound genossen und bei FAO Schwarz ist Thomas nicht auf dem Piano rumgesprungen…
Im HelloKitty-Store durfte ich mich dann austoben – und mir ein „Hello Kitty and the City“ und diverse HelloKitty-NYC-Kleinigkeiten aussuchen. Thomas weiß, was Frauen (also im Speziellen wohl ich) wollen :-)
Von einer Fahrt mit der Fähre an der Freiheitsstatue vorbei, über Ground Zero, Chinatown, Little Italy, Times Square, Empire State Building, Brooklyn Bridge, Broadway, Wall Street, Rockefeller Center, Central Park,… Wir haben alle Touri-Highlights abgeklappert. Zumeist zu Fuß – am Ende mit mehr als qualmenden Füßen. Abends war dann außer Kino am Samstag abend auch gar nix mit uns anzufangen (zumindest nicht mit mir – Thomas hat sich noch mit der Fernbedienung für den Fernseher, der zumindest die Hälfte unseres Hotelzimmer in der UpperWestSide einnahm – und das nicht, weil er so groß sondern das Zimmer so klein war!).
Morgens habe ich den schwervemissten, häufig ersehnten Bagel mit Lachs und Creamcheese und Kaffee in nem Deli gegessen
Naja. Natürlich werden Thomas und ich ein nettes Apartment (das netteste) in Manhattan haben –mit Dachterrasse (der höchsten), auf der n Pool (der größte) ist – mit Blick (dem besten) über die Stadt (der berühmtesten). Thomas hätte noch gern n Giebel – aber das steht noch zu Diskussion. Wir wollen ja nicht übertreiben :-)
17.8.06 04:07


Vergessen

Ups.
So viele Details sind jetzt ausgeblendet. Gar kein New Jersey (mit den unfreundlichsten Leuten und dem schlechtesten Taco Bell) erwähnt!
Und noch viel wichtiger: Thomas wilde Fahrt (der wildesten) durch Manhattan. Mitm Auto mitten durch die Stadt! Geflucht hat er (am lautesten) – aber alles großartig geregelt!!!
Oder Geldsparaktion auf dem Rückweg: Mit dem Bus durch Harlem! Anfangs ja noch ganz entspannt – aber nachher sind wir nur noch an Häusern mit Brettern vor den Fenstern und Gangstern auf der Straße vorbei gefahren (die hab sogar ich gesehen)…
Für sonstige verschluderte Details: Bitte hilf mir mal n bisschen, Thomas! Kannst mir gerne nen Text schicken, den ich dann in deinem Namen blogge - Kommentar geht natürlich auch!
17.8.06 04:12


Thomas Sicht der Dinge!

Mareike hat mich gebeten, meine Sicht der Dinge in ihrem Blog zu bloggen, wie man heute zu sagen pflegt. Hier also meine Sicht der Dinge:



Ich bin am 28. Juli nach zehn Stunden Flug in Atlanta gelandet. Bereits auf dem kurzen Weg zum Terminal musste ich feststellen, dass meine langärmligen Flugklamotten vielleicht schlecht gewählt waren, da Amerika in diesen Tagen von einer selten dagewesenen Hitzewelle überrollt wurde. Die Hitze war drückend, doch bereits nach einer Minute vorbei, da natürlich das gesamte Flughafengelände auf etwa fünfzehn Grad heruntergekühlt wird. Von heiß zu kalt und zurück in nur zwei Minuten, willkommen in Amerika.
(Anmerkung der Redaktion: hat nix mit Hitzewelle zu tun, in Atlanta ist es (fast) immer so heiß - deshalb nennen die das hier ja auch Hotlanta!)

Der nächste Willkommensgruß trifft den stolzen Einreisenden dann an der Customsbehörde. Der Beamte versucht den urlaubsreifen Kurzzeiteinwanderer davon zu überzeugen zuzugeben, dass man ja eigentlich doch nur nach Amerika geflogen ist, um dort zu bleiben, schließlich befindet man sich im besten Land der Welt. Nachdem ich dann etwa zehn Minuten versucht habe, den Beamten von meinen gegenläufigen Absichten zu überzeugen, wurde ich dann auch endlich in die Rasterfandungskartei Amerikas aufgenommen, ganz schnittig mit Fingerabdruck und Lichtbild.

Bei Mareikes Vermietern angekommen, hab ich dann aufgehört, mich über die Einwanderungsbestimmungen dieses Landes aufzuregen. Dafür habe ich dort gelernt, wo ich den Hitzesensor an meiner Schlange zu suchen habe, falls das irgendwann interessant sein sollte. Die Haustiere sind prompt alle vor mir davon gerannt, obwohl sie ja sonst immer zutraulich sind, die haben wohl die Sache mit der Rasterfahndung mitbekommen …

Die ersten Tage in Atlanta waren spannend. Ich habe Mareikes Kollegen kennen gelernt, alles sehr nette Leutchen, mit denen sie wohl jedes Wochenende den angemessen Spaß haben kann. Wir waren alle zusammen auf einem Baseballspiel und ich weiß jetzt, dass nicht nur Sumoringer unsportlich aussehen müssen, Baseballspieler bewegen sich eigentlich auch nicht. Das Publikum dafür aber umso mehr. Der amerikanischen Lebensart entsprechend wird man bei solch einer Veranstaltung natürlich köstlich bespaßt. Was haben wir nicht alles gesehen. Besoffene, tanzende Amerikaner auf der Dance-Cam oder seltsam dreinschauende Mexikaner, die sich einfach kein Küsschen geben wollten, auch wenn die Kamera es gefordert hatte.

Ein anderes Highlight war das historische Bespaßungszenter in Atlanta selbst. Ein richtig amerikanisches Museum, viele Filme und verkleidete Schauspieler, alles mit dabei. Hier steht auch das Swan House, das schon seit 1928 an eben dieser Stelle steht. Höchst beeindruckend, dass sich Holz in diesem Klima so lange hält. Naja ich habe mal beim beliebten Olympia-quiz mitgemacht und prompt den ersten Platz geholt, was aber auch nicht wirklich schwierig war, da die Fragen dem durchgängigen Niveau von Vormittagsfernsehsendungen angepasst waren. Im Gegensatz zum gemeinen Amerikaner würde ich ja im Zweifelsfall nicht auf Amerika setzen (beispielsweise bei der Frage nach dem Ursprungsland der olympischen Spiele), das bringt Pluspunkte.

Bald darauf haben wir uns dann auch zu unserem Roadtrip aufgemacht. Der Flug war angenehm, ich hatte tatsächlich mehr Platz als bei meinem Interkontinentalflug.

Angekommen in Boston fielen uns erst einmal die vielen anderen deutschen Familien und Gammler auf, die ebenfalls ein Alamoauto mieten wollten, wir haben uns aber natürlich nicht zu erkennen gegeben, es hätten ja schließlich auch Bayern dabei sein können. Die billigste Wagenpreisklasse stellte sich als erstaunlich groß heraus. Aber man muss ja bedenken, dass mein höchsteigener Polo einfach unter den meisten amerikanischen Autos hindurch fahren könnte.

Der Tank war voll und wir hatten Großes vor. Der erste Tag galt der Innenstadt von Boston. Nachdem wir uns etwa eine halbe Stunde lang lustig von Brücke zu Brücke verfahren hatten und natürlich prima Toll-Gebühren bezahlt haben, waren wir dann endlich inmitten von Boston und ließen unser vollgetanktes Auto für läppische 24$ im Parkhaus.

In Boston folgten wir dem Freedomtrail, einer roten Linie, die sich durch die gesamte Altstadt schlängelt, vorbei an den verschiedenen Wolkenkratzern, Bostons little Italy und dem Hafenviertel. Boston ist sicher eine Reise wert. Mareike bezeichnet es als europäisch, dem kann ich nicht unbedingt zustimmen, aber es ist auch nicht typisch amerikanisch.

In Boston tankt man Freiheitsluft. Sei es in der alten Kirche an der Ecke, wo einst die Freiheitsglocken läuteten oder im Haus vom alten Paule, wo verkleidete Schauspieler den dynamischen Ritt des amerikanischen Urhelden nacherzählen, man ist ja schließlich im Museum. Im Hafen liegt die alte USS Constitution, das erste mit Eisen beschlagene Schiff, das die englischen Fregatten einfach aus dem Wasser gerammt hat, eine Idee, die 1776 wunderbar funktioniert hat, später, im Bürgerkrieg, haben dann allerdings zwei Schiffe gleichen Typs versucht, sich gegenseitig zu Saft zu rammen, was vier Stunden und einen beidseitigen Rückzug zur Folge hatte (Was man nicht alles im History Center lernen kann).

Das wunderbare Restaurant, von dem Mareike so schwärmt, war ein Gammelitaliener. Wir haben Nudeln gegessen, die ganz ok waren, lecker geht allerdings anders. Da Mareike zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits aufgrund ihres dreimonatigen Aufenthalts im Fast-Food-Zentrum der Welt jedweden Geschmacksinn verloren hatte, war sie begeistert.

Das nächste Ausflugsziel war Plymouth. Hier sind 1620 die puritanischen Pilgersleut, die in Europa niemand mehr wollte, ins Land der Superlative gezogen und hinterließen eine Spur aus Touristenattraktionen. Zuallererst wäre da der heilige Stein bzw. Rock aus Plymouth. Eingebetet in Ruinen, griechische Tempelruinen um präzise zu sein, liegt er da, das Kieselchen, das im neunzehnten Jahrhundert sogar in der Mitte durchgebrochen ist. Auf seiner Flanke steht die magische 1620 und um ihn herum liegen etliche Dollarscheine und Münzen, auch wenn er kein Brunnen ist. Etwa hundert Meter weiter liegt die Mayflower II in der Bucht. Der Nachbau des original Seglers, der die Pilger damals transportiert hat. Der Nachbau kam ebenfalls aus England, allerdings erst 1973, wenn ich mich recht erinnere. Der Eintritt für den alten Kahn betrug 8$, die wir lieber zum Essen verwendet haben, aber bereits aus der Ferne konnten wir das „hochenglische“ Geschwafel der verkleideten Schauspieler vernehmen, die von ihrer beschwerlichen Reise berichteten; wers braucht, der hat es wohl nötig.

Aufgrund der vorherigen Museumserfahrungen entschieden wir uns gegen einen Besuch der Plymouth Plantation, die um die Ecke lag, 21$ kostete und noch mehr Schauspieler und Videos aufzuweisen hatte. Stattdessen fuhren wir zur Harvard Universität. Man muss ja mal schauen, wo man später einmal unterkommen kann.

Mareike und ich hatten jedoch gegenläufige Ziele. Ich suchte nach einem T-Shirt oder billigen Büchern, Mareike suchte nach Anhaltspunkten für Rory und Lorelei, da ja auch das Gilmore Girl- girl wohl in Harvard „studiert“. Letzten Endes hab ich mein Shirt gefunden und Mareike einen ihr bekannten Kaffeeladen. Beide sind wir durch die Pforten Harvards getreten und wurden mit Wissen belohnt, getreu nach dem Motto: Enter to grow in wisdom.
(Anmerkung der Redaktion: Rorys Traum war es immer, in Harvard zu studieren, jetzt studiert sie in Yale, und die waren nur mal auf nem Roadtrip - als Lorelai die Hochzeit annuliert hat - in Harvard. Was war ich schlecht informiert :-))

Harvard an sich gefiel mir nicht so gut. Hier wird architektonisch neuenglische Kirchenbaustile mit antiker Säulenkunst vermischt, was unausstehlich blöde aussieht, vor allem bei der Universitätsbibliothek. Wir wären auch gern einmal in eines der Gebäude hineingegangen, aber die Security wollte unsere europäischen Studierendenausweise einfach nicht anerkennen, vermutlich hatten die auch schon von der Rasterfahndung gehört.

Weiter gings Richtung Cape Cod, dem beliebten Urlaubsflügel der oberen Ostküste. Auf dem Weg dorthin haben wir endlich ein Couponheftchen gefunden, das es uns ermöglichte, für billig in billigen Motels zu wohnen, das halbe Klassenziel war also erreicht. Bereits unsere erste Anlaufstelle, an der sechsten Ausfahrt des Cape Cod Freeways, entsprach den gängigen Motelbildern, die zu viele schlechte Filme in meinem Kopf entstehen lassen hatten. Reihe an Reihe von weißen Türen mit kleinen Nümmerchen und in der Mitte des Parkplatzes ein Swimmingpool. Unser Heftchen sprach von 39,95$ die Nacht, aber die Rezeption erklärte uns prompt, dass es sih hierbei natürlich um einen Druckfehler handelt, eigentlich müsset dort achtzig $ stehen, klar, klar, aber mit den Touristen kamen die Tränen. Wir haben also bezahlt und kehrten für die Nacht ein. Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg zur nördlichsten Spitze des langen Landflügels. Dort angekommen kauften wir ein Oreo Eis und drehten prompt wieder um, denn außer fernen Schiffsschatten gab es dort wirklich nichts zu sehen. Stattdessen suchten wir einige Strände auf, da wir aber nur einen kurzzeitigen Aufenthalt eingeplant hatten, waren wir nicht bereit, die 18$ Strandgebühr zu bezahlen.

Weiter ging es Richtung New Haven, dem Standort der Yale Universität. Die Geschichte der Pearl Harbour Memorial Bridge werde ich nicht erzählen, dafür ist wohl Mareike zuständig, beinahe hätte sie ja über die Brücke latschen müssen, um noch einmal genau nachzudenken, hehe.

In New Haven schlossen wir schnell die Fenster, Türen und Geldbörsen, machten einen U-Turn und fuhren zurück auf den Freeway. Erst durch einen Zufall, der uns in die entgegengesetzte Autobahnrichtung führte, gelangten wir doch zur Yale Universität. Wieder ging es hauptsächlich um ein T-Shirt. Allerdings muss ich zugestehen, dass mir diese Universität sehr gut gefallen hat. Sowohl architektonisch, sie entsprach dem englischen Universitätsstil, den man auch beim Main Quad in Cork bewundern kann, wie auch in Sachen Bücherauswahl. Ich stöberte mal durch die philosophische und germanistische Ecke und muss zugeben, dass mich die Titelauswahl begeisterte, offenbar gibt es doch amerikanische Universitäten, die ihren Lehrauftrag ernst genug nehmen. In Yale überraschte uns ein wunderbares Gewitter und nass bis auf die Haut verfuhren wir uns an einer vierwegigen Kreuzung genau dreimal, bevor wir den richtigen Weg gefunden hatten.
(Anmerkung der Redaktion: definiere "nass bis auf die Haut" - wir waren im Bücherladen, als es regnete!)

Der nächste Schritt der Reise führte uns nach New Jersey, oder Gammelhausen, wie es die Einheimischen nennen. Eine Ansammlung von Staub, Dreck, Taco Bells, Wendy´s, schlechten Motels, schlechteren Motels und unfreundlichen Indern. Wir entschlossen uns nach langem Suchen für ein teures Hotel, da wir bei der Besichtigung der anderen rückwärts wieder aus den Zimmern geflohen waren, was die Leute an der Rezeption einfach nicht verstehen wollten, Euro trash und so.

Der Bus nach Manhattan war natürlich bereits weg, sodass wir mit einem Linienbus fahren mussten, ein prima Abenteuer.

Manhattan selbst lernten wir zuerst auf der 42nd street Ecke Broadway kennen, also auf dem Times Square. Nie werde ich den Blick in Mareikes Augen vergessen, Wahnsinn. Alles blinkte und blitzte, ich persönlich empfand es eher als eine Angelegenheit für den Optiker, etwa eine billige Augenlaserung, Mareike hingegen gingen die Augen über. An diesem ersten Tag habe ich sie bestimmt gute dreimal vor der hupenden Motorhaube eines gelben Taxis weggezogen, da ihr Blick nur dem Himmel galt. Wir liefen dann zur Radio City Music Hall, dem Rockefeller Center und schließlich zum Empire State Building. Mit qualmenden Füßen ging es zurück nach Gammelhausen.

Am nächsten Morgen mussten wir dann das Auto zurückgeben, natürlich inmitten von Manhattan. Wir hatten uns überlegt, über den Highway bis zur Vermietung zu fahren, da wir dann den Highway jedoch nicht gefunden haben, standen wir plötzlich inmitten von hupenden Taxen auf dem Times Square. Aber das Gehupe machte mir wenig, denn über mein Gefluche hörte ich eh nix. New York mit dem Auto zu erkunden ist ein Erlebnis für die ganze Familie. Überall Einbahnstraßen, in die Höhe starrende Fußgänger und drängelnde Taxen. Wir schafften es letzten Endes jedoch trotz allem heil in die 77nd street und gaben unseren roten Flitzer mit halbvollem Tank, keinem Kratzer und dem Kofferraum voller Poland Spring bei der Alamovermietung ab.

Der Tag galt Lower Manhattan. Mit der U-Bahn ging es zum Ground Zero. Zwei Löcher, die sich in nichts von denen unterscheiden, die über die ganze Stadt verteilt sind und das stetige Wachstum der Millionenmetropole signalisieren.

Ground Zero, so wurde der Schauplatz benannt, an dem dreitausend Menschen ihr Leben gelassen haben. Einige von Ihnen waren sogar aus dem 80. Stock gesprungen, um dem Inferno zu entgehen. 80 Stockwerke nach unten, den gelben Taxis entgegen, die von oben aussehen, als gehörten sie einem kleinen Kind, das vergnügt die gelben Spielzeuge durch die Stadt schiebt und hupen lässt.

Die Bilder der Katastrophe verfolgen jeden, der sie damals live im Fernsehen gesehen hat.

Es ist erstauenlich, an diesem Platz zu stehen und zu sehen, wie wenig sich in den sechs vergangenen Jahren seit der Katastrophe verändert hat. Natürlich sind die Schuttberge und die Leichen entfernt worden, doch eine Gedenktafel, die an die vielen Opfer erinnert, die damals ihr Leben verloren haben, sucht man hier vergeblich. So etwas findet man einige Straßen weiter, an den zahlreichen Feuerwachen, die etliche Tote zu beklagen haben.

Was dem unbedachten Touristen und seiner Kamera hier am meisten auffällt, ist die Stille des Ortes. Das Hupen der Taxen rückt hier in weite Ferne, da kein Starßenzugang zu den beiden großen Löchern geöffnet zu sein scheint. Ich hatte den Eindruck, dass dieser Ort eher gemieden wird, als die vielen anderen Attraktionen, die wir auf unserer Reise durch die Hauptstadt der Herzen (!) gesehen haben. Erschreckend waren die ortsansässigen, chinesischen Souvenirhändler, die die Touristen mit ihren Postkarten locken wollten, auf denen die brennenden Tower abgebildet waren.

Weiter ging es Richtung Freiheitsstraße. Die französische Lady sahen wir jedoch nur aus der Ferne. Man kann nachvollziehen, dass die Kinder der Einwanderer die Statue als das Abbild des amerikanischen Gottes gesehen haben, denn sie erhebt sich grünlich schimmernd über die Bucht, umzingelt von wehenden Flaggen.

Lower Manhatten ist der für mich schönste Teil der Stadt. Die Wallstreet mit ihren glitzernden, sauberen Hochhäusern gehört zum Highlight der Stadt, hier kann man vielleicht den Flair spüren, von dem Mareike die ganze Zeit über gesprochen hat.

Kurz darauf waren wir inmitten eines Menschengewusels, das vermischt mit diversen Fischgerüchen Chinatown darstellte. Hier fühlte ich mich nicht so wohl, zu hektisch, zu unübersichtlich.

Wir haben dann auch noch little Italy besucht, aber auch das war nicht zu aufregend.

Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch im Empire State Building. Wir sind durch einen prima Sicherheitscheck, eine Fotostation und genervten Angestellten vorbei auf den 86. Stock gefahren, das für ungeheures Ohrensausen gesorgt hat. Die Wartezeit war schier unerträglich, von einem marmornen Wartesaal wurden wir in den nächsten geschickt, immer mit tausenden anderen Touristen.

Auf der Spitze hatte man dann einen atemberaubenden Ausblick auf Manhattan. Von oben fällt einem erst einmal auf, wie viele Taxen es tatsächlich in der Stadt gibt. Ohne das Dauergehupe war der Anblick tatsächlich faszinierend.

Weitere persönliche Manhattan Highlights sind die beiden riesigen Spielzeugläden, in denen wir waren. Im ersten, Toys ´r´ us, stand ein riesiger Dinosaurier, der den Kindern das Fürchten gelernt hat. Der zweite Laden ist aus dem Film „Big“ bekannt. Hier steht das berühmte Klavier, auf dem Tom Hanks rumgehüpft ist, leider war der Akku unserer Kamera zu dieser Zeit vollkommen ausgelutscht.

Die Fahrt zum Flughafen wurde dann zur Erlebnistour. Da wir zu geizig waren, 75$ für das Taxi auszugeben, sind wir einfach mal mit dem Bus durch Harlem gefahren. Der Reiseführer hatte zwar eher abgeraten, aber wir konnten so ja wunderbar Geld sparen. Es war ein Abenteuer. Harlem ist wohl das genaue Gegenteil von Lower Manhattan, nicht nur geografisch. Der Stadtteil ist heruntergekommen wie in einem schlechten Film und man muss schon aufpassen, wo man so hingeht, am besten wohl nicht aus dem Bus raus.

Letzten Endes machten wir uns also auf den Rückweg. Unser Urlaub war also eine wunderbare Zeit, die mir unvergessen bleiben wird.

So weit also meine Sicht der Dinge. Gratulation all denjenigen, die bis hierher durchgehalten haben.
19.8.06 02:40


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