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Mir reicht’s!!!

Nach drei Monaten gebe ich auf! Drei Monate habe ich jeden Tag zwischen 2 ½ und 3 Stunden in meinem Auto verbracht. Obwohl ich natürlich sehr stolz bin, ein eigenes Auto zu besitzen, es mit allerlei Schnickschnack (hauptsächlich Überresten der Fußball-WM) garniert ist und ich auch sonst alles Lebensnotwendige von Getränken, Salzbrezeln über Schuhe, Handtuch, Bikini bis hin zur Zahnbürste – und Thomas sei Dank – seit neuestem auch ein Surroundsystem mit super Radiosender darin habe und es sehr lieb habe (vor allem den Kirschenlenkradbezug), gebe ich auf und ziehe weg von Ken und Elke und weg aus dem fernen Austell ins büronahe Buckhead. Am Mittwoch pack ich meine Sachen und bin raus, mein Kind! Damit sind nicht nur so Vorteile wie lang schlafen und nicht mehr im Stau stehen verbunden, sondern auch diverse Annehmlichkeiten anderer Art, wie beispielsweise die Tatsache, dass ich direkt bei Susanne um die Ecke wohne. Freu! Wir haben direkt diverse Shoppingtouren, Kochsessions und Cocktailabende geplant…
Ausschlaggebend war der letzte Mittwoch, an dem ich zwei geschlagene Stunden zur Arbeit gebraucht habe. Ich bin um 7h30 losgefahren – und habe es nicht pünktlich zur Arbeit geschafft! Das war das Ende! Natürlich hat das auch damit zu tun, dass die Amis einfach zu doof sind, ihre Kabel unterirdisch zu verlegen und die bereits erwähnten Gewitter, die stets heftiger ausfallen, als in Deutschland, für Stromausfall sorgen – und somit die Ampeln und gleichzeitig den Verkehr lahm legen. Aber das passiert mir nicht mehr! Notfalls kann ich zur Arbeit laufen!!!
Über sämtliche Unannehmlichkeiten wie unsaubere Mitbewohner (drei amerikanische Kerle) oder ähnliches, werde ich dann also auch in Zukunft berichten – und vielleicht auch ein bisschen fluchen.
Auf jeden Fall ist es ein Vorteil für meine Zähne: ich muss nicht mehr so oft ins Lenkrad beißen…
29.8.06 03:43


A Night To Remember

Ja, ich weiß, Ihr denk jetzt alle, wer weiß, was ich wieder für wilde Partys an Pools/ BBQ-Plätzen oder ähnlichem verlebt habe (warum auch immer, man auf solche Gedanken kommen könnte). Aber nein! War Freitag abend nur ganz entspannt und ruhig bei Susanne und hab Video geguckt. Erst als ich nach hause kam, wurde es spannend: Ich lieg ganz entspannt und ruhig in meinem Bett – da ist da plötzlich so was Schwarzes auf meiner Decke. Ich spring natürlich auf – und hab meine erste Begegnung mit einer dieser mehr als furchteinflössenden, gigantischen Monsterkakerlake in meinem Bett. Ja, hier in Georgia laufen einem schon des öfteren mal diese fiesen, bestimmt 5cm langen schwarzen Ungeheuer über den Weg. Ich hatte schon diverse Begegnungen im Freien, bei mir im Bad, in der Küche… Aber da war dann meist Ken da – und hat den Kampf mit diesen Wesen übernommen. Ich saß gestern in meinem Bett, es war 2h – und alle haben geschlafen. Dieses Vieh grinst noch dreist - und ich habe versucht ruhig zu bleiben und nicht ueberstuerzt zu handeln oder gar hysterisch zu werden. Meine erste Idee: Nimm ne Plastiktüte, stülp die über deine Hand und grabsch das Ding (wie man ja auch Hundescheiße sammelt - ist ja ähnlich)! Konnte mich dazu aber leider nicht überwinden. Argh! In der Zwischenzeit meinte das Tierchen dann auch in meine Richtung krabbeln zu müssen... Ich also aufgesprungen, nehm mir nen Becher - und überlege mir das Ding damit einzufangen. Beim Versuch den Becher über die Kakerlake zu stülpen, wird dieses Ungetüm plötzlich so was von schnell... rennt von meinem Bett - in irgendne Ecke. Da dieses Viech dabei verdammt nah an meinem Fuß vorbei ist, war’s dann vorbei mit der Ruhe - ich hab hysterisch geschrien... Das hatte dann auch zur Folge, dass Ken und Elke wach wurden - und in mein Zimmer gestürmt kamen. Dass sie wegen eines kleinen Käfers geweckt wurden, hat ihnen nicht wirklich gepasst, aber sie haben sich des Problems angenommen - und für mich den Kampf mit dem Monster übernommen. Mit dem Erfolg, dass ich zurück in mein Zimmer konnte, an schlafen war aber natürlich vorerst nicht zu denken... Schoen mit Licht an, hab ich, sobald ich weggedöst bin, von Kakerlaken geträumt, die mir die Arme und Beine hochkrabbeln.
Nee, schön!
Seit dieser Nacht stehen "Roach Motel"s vor meiner Tür. Und es werden weniger, was ein eindeutiges Indiz dafür ist, dass sich die Biester da wirklich drin einnisten - was widerrum ein Indiz dafür ist, dass ich noch mehr von der Bande in gefährlicher Nähe zu meinem Bett befinden... Aber nun gut.
"A night to remember" eben. Sowas wäre mir in Deutschland nicht passiert!
29.8.06 03:02


Mein Lieblingsradiosender – 99x Everything Alternative

Thomas, der Gute, hat mein Leben aber auch sonst nachhaltig verändert: Er hat mir nen Weltempfänger mitgebracht, so dass ich jetzt im Auto Musik hören kann. Ein unglaublicher Luxus, der mich jeden Morgen vor dem Suizid im Stau rettet.
Ich hab nämlich auch noch nen Radiosender gefunden, der so wunderbare Musik macht, dass ich echt das ein oder andere Mal daran gehindert wurde, vor Verzweiflung in mein Lenkrad zu beißen. Da steht man im Stau, der Kaffee ist schon leer, das Toast gegessen, die Haare sind fast trocken –und es bewegt sich nix – da spielen die im Radio Incubus „Wish you were here“ oder Audioslave „Like a stone“ – und ich singe lauthals mit, anstatt Bissspuren in meinem tollen Kirschlenkradbezug zu hinterlassen!
Mittwoch nach der Arbeit hat mir der Radiosender auch noch ein weiteres Highlight gebracht: ich sitz aufm Heimweg im Auto, da erzählen die, die verlosen Karten fürn Konzert im CJs Landing. Da das quasi auf meinem Weg lag – und ich hier ja sonst nix zu tun habe – bin ich da doch spontan mal vorbei gefahren. Die Karten habe ich zwar nicht gewonnen (ich habe ja schon bei der Fußballofficewette bewiesen, dass ich nicht der Typ bin, der irgendwas gewinnt) – aber da ich, amerikanisch wie ich mittlerweile bin, den Leuten da erzählt habe, dass der Radiosender mich morgens davor rettet, Amok zu laufen und wie sehr ich sie alle liebe (hihi! Bester Radiosender der Welt natürlich :-)), habe ich zwei CDs abgestaubt (tatsächlich wunderbar mit allen Bands, die ich auch so gern höre: Coldplay, Keane, Incubus,…) und ein T-Shirt. Natürlich ist das Shirt fünfhundert Nummern zu groß, aber um – wie jetzt – zu hause rumzugammeln, ist es optimal!
Ich sags Euch: 99x Everything Alternative

21.8.06 02:06


Die Zeit mit Thomas – das traurige Ende

Hier in Atlanta (mal ganz davon abgesehen, dass Thomas locker bis 16h nachmittags geschlafen hat – ich natürlich auch, aber für mich ist das ja auch nix Besonderes) haben wir uns dann noch mit den lokalen Highlights abgegeben.
Waren schön im „Georgia Aquarium“, dem selbstverständlich größten Aquarium der Welt! Und ich fand’s wirklich super! Ich hätte es noch ein bisschen cooler gefunden, wenn ich knapp 20 Jahre jünger wäre – denn die haben da alles für Kinder! Wirklich alles! Ich hab mich ja nur getraut, durchs Walmaul zu rutschen, alle anderen Kletter- und Turnaktivitäten habe ich den kleinern Menschen überlassen (wobei ich auch das ein oder andere Mal unter eins der Aquarien geklettert bin – man kann den Amis da nur gratulieren: Kinderfreundlich sind sie!). Aber auch sonst fand ich’s toll. Auch wenn ich mich geweigert habe, sämtliche Tierchen da anzufassen (ja, da gibt es zig „Touch Pools“, wo man diverse höchst unappetitliche Tierchen hätte betatschen können) – es war schon beeindruckend! Man konnte seinen Kopf (natürlich umgeben von Glas) direkt in die Mitte von ein paar Pinguinen stecken – und die fanden das auch so spannend, was die bekloppten Menschen da machen, dass sie sich alle drumherumgescharrt haben. Die Seelöwen haben mit ihrem Geschrei tatsächlich unsere Katze Chloe hier Konkurrenz gemacht. Und auch sonst: War schon nett!
Das einzige, was fehlte: ein schönes Fischrestaurant. Bei all den Tieren da, habe ich schon Appetit auf einen leckren Fisch bekommen... :-)
Dann waren wir noch mal im Six Flag Whitewater Park (ich hatte Thomas mit meinem Geschrei auf dem Cliffhanger neugierig gemacht) – und auch da haben wir echt Spaß gehabt. Sogar Thomas musste zugeben, dass der Tornado die coolste Wasserrutsche ist, auf der er jemals gewesen ist (und das in einem der größten Wasserparks der Welt :-)). War auch n super Tag!
Dann haben wir noch diverse Shoppingtouren unternommen (auch in meinem persönlichen Lieblingsladen, dem Party Store, haben wir die ein oder andere Stunde verbracht) – und dann musste ich Thomas – ganz ohne Flüssigkeit oder Zahnpasta im Gepäck - drei Stunden vor Abflug unter den üblichen Heulattacken zum Flughafen bringen. Hach… Hätte mich gut in sein Handgepäck schmuggeln können.
Aber nun gut.
Thomas meinte, ich solle hier schön Spaß haben und ihm am WE so oft wie möglich mitteilen, dass ich keine Zeit habe, mit ihm zu telefonieren, weil ich unterwegs bin und Spaß habe. Das habe ich dieses WE natürlich auch direkt umgesetzt: war mal wieder auf ner BBQ-Party, die dank diverser Caipis auch direkt zur Übernachtungsparty für mich wurde! Aber wenn Thomas das so sagt…
21.8.06 01:56


Thomas Sicht der Dinge!

Mareike hat mich gebeten, meine Sicht der Dinge in ihrem Blog zu bloggen, wie man heute zu sagen pflegt. Hier also meine Sicht der Dinge:



Ich bin am 28. Juli nach zehn Stunden Flug in Atlanta gelandet. Bereits auf dem kurzen Weg zum Terminal musste ich feststellen, dass meine langärmligen Flugklamotten vielleicht schlecht gewählt waren, da Amerika in diesen Tagen von einer selten dagewesenen Hitzewelle überrollt wurde. Die Hitze war drückend, doch bereits nach einer Minute vorbei, da natürlich das gesamte Flughafengelände auf etwa fünfzehn Grad heruntergekühlt wird. Von heiß zu kalt und zurück in nur zwei Minuten, willkommen in Amerika.
(Anmerkung der Redaktion: hat nix mit Hitzewelle zu tun, in Atlanta ist es (fast) immer so heiß - deshalb nennen die das hier ja auch Hotlanta!)

Der nächste Willkommensgruß trifft den stolzen Einreisenden dann an der Customsbehörde. Der Beamte versucht den urlaubsreifen Kurzzeiteinwanderer davon zu überzeugen zuzugeben, dass man ja eigentlich doch nur nach Amerika geflogen ist, um dort zu bleiben, schließlich befindet man sich im besten Land der Welt. Nachdem ich dann etwa zehn Minuten versucht habe, den Beamten von meinen gegenläufigen Absichten zu überzeugen, wurde ich dann auch endlich in die Rasterfandungskartei Amerikas aufgenommen, ganz schnittig mit Fingerabdruck und Lichtbild.

Bei Mareikes Vermietern angekommen, hab ich dann aufgehört, mich über die Einwanderungsbestimmungen dieses Landes aufzuregen. Dafür habe ich dort gelernt, wo ich den Hitzesensor an meiner Schlange zu suchen habe, falls das irgendwann interessant sein sollte. Die Haustiere sind prompt alle vor mir davon gerannt, obwohl sie ja sonst immer zutraulich sind, die haben wohl die Sache mit der Rasterfahndung mitbekommen …

Die ersten Tage in Atlanta waren spannend. Ich habe Mareikes Kollegen kennen gelernt, alles sehr nette Leutchen, mit denen sie wohl jedes Wochenende den angemessen Spaß haben kann. Wir waren alle zusammen auf einem Baseballspiel und ich weiß jetzt, dass nicht nur Sumoringer unsportlich aussehen müssen, Baseballspieler bewegen sich eigentlich auch nicht. Das Publikum dafür aber umso mehr. Der amerikanischen Lebensart entsprechend wird man bei solch einer Veranstaltung natürlich köstlich bespaßt. Was haben wir nicht alles gesehen. Besoffene, tanzende Amerikaner auf der Dance-Cam oder seltsam dreinschauende Mexikaner, die sich einfach kein Küsschen geben wollten, auch wenn die Kamera es gefordert hatte.

Ein anderes Highlight war das historische Bespaßungszenter in Atlanta selbst. Ein richtig amerikanisches Museum, viele Filme und verkleidete Schauspieler, alles mit dabei. Hier steht auch das Swan House, das schon seit 1928 an eben dieser Stelle steht. Höchst beeindruckend, dass sich Holz in diesem Klima so lange hält. Naja ich habe mal beim beliebten Olympia-quiz mitgemacht und prompt den ersten Platz geholt, was aber auch nicht wirklich schwierig war, da die Fragen dem durchgängigen Niveau von Vormittagsfernsehsendungen angepasst waren. Im Gegensatz zum gemeinen Amerikaner würde ich ja im Zweifelsfall nicht auf Amerika setzen (beispielsweise bei der Frage nach dem Ursprungsland der olympischen Spiele), das bringt Pluspunkte.

Bald darauf haben wir uns dann auch zu unserem Roadtrip aufgemacht. Der Flug war angenehm, ich hatte tatsächlich mehr Platz als bei meinem Interkontinentalflug.

Angekommen in Boston fielen uns erst einmal die vielen anderen deutschen Familien und Gammler auf, die ebenfalls ein Alamoauto mieten wollten, wir haben uns aber natürlich nicht zu erkennen gegeben, es hätten ja schließlich auch Bayern dabei sein können. Die billigste Wagenpreisklasse stellte sich als erstaunlich groß heraus. Aber man muss ja bedenken, dass mein höchsteigener Polo einfach unter den meisten amerikanischen Autos hindurch fahren könnte.

Der Tank war voll und wir hatten Großes vor. Der erste Tag galt der Innenstadt von Boston. Nachdem wir uns etwa eine halbe Stunde lang lustig von Brücke zu Brücke verfahren hatten und natürlich prima Toll-Gebühren bezahlt haben, waren wir dann endlich inmitten von Boston und ließen unser vollgetanktes Auto für läppische 24$ im Parkhaus.

In Boston folgten wir dem Freedomtrail, einer roten Linie, die sich durch die gesamte Altstadt schlängelt, vorbei an den verschiedenen Wolkenkratzern, Bostons little Italy und dem Hafenviertel. Boston ist sicher eine Reise wert. Mareike bezeichnet es als europäisch, dem kann ich nicht unbedingt zustimmen, aber es ist auch nicht typisch amerikanisch.

In Boston tankt man Freiheitsluft. Sei es in der alten Kirche an der Ecke, wo einst die Freiheitsglocken läuteten oder im Haus vom alten Paule, wo verkleidete Schauspieler den dynamischen Ritt des amerikanischen Urhelden nacherzählen, man ist ja schließlich im Museum. Im Hafen liegt die alte USS Constitution, das erste mit Eisen beschlagene Schiff, das die englischen Fregatten einfach aus dem Wasser gerammt hat, eine Idee, die 1776 wunderbar funktioniert hat, später, im Bürgerkrieg, haben dann allerdings zwei Schiffe gleichen Typs versucht, sich gegenseitig zu Saft zu rammen, was vier Stunden und einen beidseitigen Rückzug zur Folge hatte (Was man nicht alles im History Center lernen kann).

Das wunderbare Restaurant, von dem Mareike so schwärmt, war ein Gammelitaliener. Wir haben Nudeln gegessen, die ganz ok waren, lecker geht allerdings anders. Da Mareike zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits aufgrund ihres dreimonatigen Aufenthalts im Fast-Food-Zentrum der Welt jedweden Geschmacksinn verloren hatte, war sie begeistert.

Das nächste Ausflugsziel war Plymouth. Hier sind 1620 die puritanischen Pilgersleut, die in Europa niemand mehr wollte, ins Land der Superlative gezogen und hinterließen eine Spur aus Touristenattraktionen. Zuallererst wäre da der heilige Stein bzw. Rock aus Plymouth. Eingebetet in Ruinen, griechische Tempelruinen um präzise zu sein, liegt er da, das Kieselchen, das im neunzehnten Jahrhundert sogar in der Mitte durchgebrochen ist. Auf seiner Flanke steht die magische 1620 und um ihn herum liegen etliche Dollarscheine und Münzen, auch wenn er kein Brunnen ist. Etwa hundert Meter weiter liegt die Mayflower II in der Bucht. Der Nachbau des original Seglers, der die Pilger damals transportiert hat. Der Nachbau kam ebenfalls aus England, allerdings erst 1973, wenn ich mich recht erinnere. Der Eintritt für den alten Kahn betrug 8$, die wir lieber zum Essen verwendet haben, aber bereits aus der Ferne konnten wir das „hochenglische“ Geschwafel der verkleideten Schauspieler vernehmen, die von ihrer beschwerlichen Reise berichteten; wers braucht, der hat es wohl nötig.

Aufgrund der vorherigen Museumserfahrungen entschieden wir uns gegen einen Besuch der Plymouth Plantation, die um die Ecke lag, 21$ kostete und noch mehr Schauspieler und Videos aufzuweisen hatte. Stattdessen fuhren wir zur Harvard Universität. Man muss ja mal schauen, wo man später einmal unterkommen kann.

Mareike und ich hatten jedoch gegenläufige Ziele. Ich suchte nach einem T-Shirt oder billigen Büchern, Mareike suchte nach Anhaltspunkten für Rory und Lorelei, da ja auch das Gilmore Girl- girl wohl in Harvard „studiert“. Letzten Endes hab ich mein Shirt gefunden und Mareike einen ihr bekannten Kaffeeladen. Beide sind wir durch die Pforten Harvards getreten und wurden mit Wissen belohnt, getreu nach dem Motto: Enter to grow in wisdom.
(Anmerkung der Redaktion: Rorys Traum war es immer, in Harvard zu studieren, jetzt studiert sie in Yale, und die waren nur mal auf nem Roadtrip - als Lorelai die Hochzeit annuliert hat - in Harvard. Was war ich schlecht informiert :-))

Harvard an sich gefiel mir nicht so gut. Hier wird architektonisch neuenglische Kirchenbaustile mit antiker Säulenkunst vermischt, was unausstehlich blöde aussieht, vor allem bei der Universitätsbibliothek. Wir wären auch gern einmal in eines der Gebäude hineingegangen, aber die Security wollte unsere europäischen Studierendenausweise einfach nicht anerkennen, vermutlich hatten die auch schon von der Rasterfahndung gehört.

Weiter gings Richtung Cape Cod, dem beliebten Urlaubsflügel der oberen Ostküste. Auf dem Weg dorthin haben wir endlich ein Couponheftchen gefunden, das es uns ermöglichte, für billig in billigen Motels zu wohnen, das halbe Klassenziel war also erreicht. Bereits unsere erste Anlaufstelle, an der sechsten Ausfahrt des Cape Cod Freeways, entsprach den gängigen Motelbildern, die zu viele schlechte Filme in meinem Kopf entstehen lassen hatten. Reihe an Reihe von weißen Türen mit kleinen Nümmerchen und in der Mitte des Parkplatzes ein Swimmingpool. Unser Heftchen sprach von 39,95$ die Nacht, aber die Rezeption erklärte uns prompt, dass es sih hierbei natürlich um einen Druckfehler handelt, eigentlich müsset dort achtzig $ stehen, klar, klar, aber mit den Touristen kamen die Tränen. Wir haben also bezahlt und kehrten für die Nacht ein. Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg zur nördlichsten Spitze des langen Landflügels. Dort angekommen kauften wir ein Oreo Eis und drehten prompt wieder um, denn außer fernen Schiffsschatten gab es dort wirklich nichts zu sehen. Stattdessen suchten wir einige Strände auf, da wir aber nur einen kurzzeitigen Aufenthalt eingeplant hatten, waren wir nicht bereit, die 18$ Strandgebühr zu bezahlen.

Weiter ging es Richtung New Haven, dem Standort der Yale Universität. Die Geschichte der Pearl Harbour Memorial Bridge werde ich nicht erzählen, dafür ist wohl Mareike zuständig, beinahe hätte sie ja über die Brücke latschen müssen, um noch einmal genau nachzudenken, hehe.

In New Haven schlossen wir schnell die Fenster, Türen und Geldbörsen, machten einen U-Turn und fuhren zurück auf den Freeway. Erst durch einen Zufall, der uns in die entgegengesetzte Autobahnrichtung führte, gelangten wir doch zur Yale Universität. Wieder ging es hauptsächlich um ein T-Shirt. Allerdings muss ich zugestehen, dass mir diese Universität sehr gut gefallen hat. Sowohl architektonisch, sie entsprach dem englischen Universitätsstil, den man auch beim Main Quad in Cork bewundern kann, wie auch in Sachen Bücherauswahl. Ich stöberte mal durch die philosophische und germanistische Ecke und muss zugeben, dass mich die Titelauswahl begeisterte, offenbar gibt es doch amerikanische Universitäten, die ihren Lehrauftrag ernst genug nehmen. In Yale überraschte uns ein wunderbares Gewitter und nass bis auf die Haut verfuhren wir uns an einer vierwegigen Kreuzung genau dreimal, bevor wir den richtigen Weg gefunden hatten.
(Anmerkung der Redaktion: definiere "nass bis auf die Haut" - wir waren im Bücherladen, als es regnete!)

Der nächste Schritt der Reise führte uns nach New Jersey, oder Gammelhausen, wie es die Einheimischen nennen. Eine Ansammlung von Staub, Dreck, Taco Bells, Wendy´s, schlechten Motels, schlechteren Motels und unfreundlichen Indern. Wir entschlossen uns nach langem Suchen für ein teures Hotel, da wir bei der Besichtigung der anderen rückwärts wieder aus den Zimmern geflohen waren, was die Leute an der Rezeption einfach nicht verstehen wollten, Euro trash und so.

Der Bus nach Manhattan war natürlich bereits weg, sodass wir mit einem Linienbus fahren mussten, ein prima Abenteuer.

Manhattan selbst lernten wir zuerst auf der 42nd street Ecke Broadway kennen, also auf dem Times Square. Nie werde ich den Blick in Mareikes Augen vergessen, Wahnsinn. Alles blinkte und blitzte, ich persönlich empfand es eher als eine Angelegenheit für den Optiker, etwa eine billige Augenlaserung, Mareike hingegen gingen die Augen über. An diesem ersten Tag habe ich sie bestimmt gute dreimal vor der hupenden Motorhaube eines gelben Taxis weggezogen, da ihr Blick nur dem Himmel galt. Wir liefen dann zur Radio City Music Hall, dem Rockefeller Center und schließlich zum Empire State Building. Mit qualmenden Füßen ging es zurück nach Gammelhausen.

Am nächsten Morgen mussten wir dann das Auto zurückgeben, natürlich inmitten von Manhattan. Wir hatten uns überlegt, über den Highway bis zur Vermietung zu fahren, da wir dann den Highway jedoch nicht gefunden haben, standen wir plötzlich inmitten von hupenden Taxen auf dem Times Square. Aber das Gehupe machte mir wenig, denn über mein Gefluche hörte ich eh nix. New York mit dem Auto zu erkunden ist ein Erlebnis für die ganze Familie. Überall Einbahnstraßen, in die Höhe starrende Fußgänger und drängelnde Taxen. Wir schafften es letzten Endes jedoch trotz allem heil in die 77nd street und gaben unseren roten Flitzer mit halbvollem Tank, keinem Kratzer und dem Kofferraum voller Poland Spring bei der Alamovermietung ab.

Der Tag galt Lower Manhattan. Mit der U-Bahn ging es zum Ground Zero. Zwei Löcher, die sich in nichts von denen unterscheiden, die über die ganze Stadt verteilt sind und das stetige Wachstum der Millionenmetropole signalisieren.

Ground Zero, so wurde der Schauplatz benannt, an dem dreitausend Menschen ihr Leben gelassen haben. Einige von Ihnen waren sogar aus dem 80. Stock gesprungen, um dem Inferno zu entgehen. 80 Stockwerke nach unten, den gelben Taxis entgegen, die von oben aussehen, als gehörten sie einem kleinen Kind, das vergnügt die gelben Spielzeuge durch die Stadt schiebt und hupen lässt.

Die Bilder der Katastrophe verfolgen jeden, der sie damals live im Fernsehen gesehen hat.

Es ist erstauenlich, an diesem Platz zu stehen und zu sehen, wie wenig sich in den sechs vergangenen Jahren seit der Katastrophe verändert hat. Natürlich sind die Schuttberge und die Leichen entfernt worden, doch eine Gedenktafel, die an die vielen Opfer erinnert, die damals ihr Leben verloren haben, sucht man hier vergeblich. So etwas findet man einige Straßen weiter, an den zahlreichen Feuerwachen, die etliche Tote zu beklagen haben.

Was dem unbedachten Touristen und seiner Kamera hier am meisten auffällt, ist die Stille des Ortes. Das Hupen der Taxen rückt hier in weite Ferne, da kein Starßenzugang zu den beiden großen Löchern geöffnet zu sein scheint. Ich hatte den Eindruck, dass dieser Ort eher gemieden wird, als die vielen anderen Attraktionen, die wir auf unserer Reise durch die Hauptstadt der Herzen (!) gesehen haben. Erschreckend waren die ortsansässigen, chinesischen Souvenirhändler, die die Touristen mit ihren Postkarten locken wollten, auf denen die brennenden Tower abgebildet waren.

Weiter ging es Richtung Freiheitsstraße. Die französische Lady sahen wir jedoch nur aus der Ferne. Man kann nachvollziehen, dass die Kinder der Einwanderer die Statue als das Abbild des amerikanischen Gottes gesehen haben, denn sie erhebt sich grünlich schimmernd über die Bucht, umzingelt von wehenden Flaggen.

Lower Manhatten ist der für mich schönste Teil der Stadt. Die Wallstreet mit ihren glitzernden, sauberen Hochhäusern gehört zum Highlight der Stadt, hier kann man vielleicht den Flair spüren, von dem Mareike die ganze Zeit über gesprochen hat.

Kurz darauf waren wir inmitten eines Menschengewusels, das vermischt mit diversen Fischgerüchen Chinatown darstellte. Hier fühlte ich mich nicht so wohl, zu hektisch, zu unübersichtlich.

Wir haben dann auch noch little Italy besucht, aber auch das war nicht zu aufregend.

Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch im Empire State Building. Wir sind durch einen prima Sicherheitscheck, eine Fotostation und genervten Angestellten vorbei auf den 86. Stock gefahren, das für ungeheures Ohrensausen gesorgt hat. Die Wartezeit war schier unerträglich, von einem marmornen Wartesaal wurden wir in den nächsten geschickt, immer mit tausenden anderen Touristen.

Auf der Spitze hatte man dann einen atemberaubenden Ausblick auf Manhattan. Von oben fällt einem erst einmal auf, wie viele Taxen es tatsächlich in der Stadt gibt. Ohne das Dauergehupe war der Anblick tatsächlich faszinierend.

Weitere persönliche Manhattan Highlights sind die beiden riesigen Spielzeugläden, in denen wir waren. Im ersten, Toys ´r´ us, stand ein riesiger Dinosaurier, der den Kindern das Fürchten gelernt hat. Der zweite Laden ist aus dem Film „Big“ bekannt. Hier steht das berühmte Klavier, auf dem Tom Hanks rumgehüpft ist, leider war der Akku unserer Kamera zu dieser Zeit vollkommen ausgelutscht.

Die Fahrt zum Flughafen wurde dann zur Erlebnistour. Da wir zu geizig waren, 75$ für das Taxi auszugeben, sind wir einfach mal mit dem Bus durch Harlem gefahren. Der Reiseführer hatte zwar eher abgeraten, aber wir konnten so ja wunderbar Geld sparen. Es war ein Abenteuer. Harlem ist wohl das genaue Gegenteil von Lower Manhattan, nicht nur geografisch. Der Stadtteil ist heruntergekommen wie in einem schlechten Film und man muss schon aufpassen, wo man so hingeht, am besten wohl nicht aus dem Bus raus.

Letzten Endes machten wir uns also auf den Rückweg. Unser Urlaub war also eine wunderbare Zeit, die mir unvergessen bleiben wird.

So weit also meine Sicht der Dinge. Gratulation all denjenigen, die bis hierher durchgehalten haben.
19.8.06 02:40


Vergessen

Ups.
So viele Details sind jetzt ausgeblendet. Gar kein New Jersey (mit den unfreundlichsten Leuten und dem schlechtesten Taco Bell) erwähnt!
Und noch viel wichtiger: Thomas wilde Fahrt (der wildesten) durch Manhattan. Mitm Auto mitten durch die Stadt! Geflucht hat er (am lautesten) – aber alles großartig geregelt!!!
Oder Geldsparaktion auf dem Rückweg: Mit dem Bus durch Harlem! Anfangs ja noch ganz entspannt – aber nachher sind wir nur noch an Häusern mit Brettern vor den Fenstern und Gangstern auf der Straße vorbei gefahren (die hab sogar ich gesehen)…
Für sonstige verschluderte Details: Bitte hilf mir mal n bisschen, Thomas! Kannst mir gerne nen Text schicken, den ich dann in deinem Namen blogge - Kommentar geht natürlich auch!
17.8.06 04:12


Die Zeit mit Thomas, die vierte: NYC

Zuerst sei mal gesagt: I love NY!
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. An der ein oder anderen Stelle wäre ich vermutlich von hupenden Taxen überfahren, zumindest aber ausgeraubt worden, da mein Blick mal wieder nur den Hochhäusern und den blinkenden Reklametafeln galt – toll, also der Blick, nicht das potentiell Überfahren werden. Hab gar nicht mitgekriegt, dass wir uns durch Touristenmassen oder gar über stark befahrende Straßen geschlängelt haben – aber dafür hab ich ja Thomas :-)
Also bei mir hat das Kirmes-typische ausblenden der unangenehmen Aspekte mal wieder hervorragend geklappt. Ich hab wieder mal nur das gesehen, was ich sehen wollte – und das waren eben diese faszinierenden Hochhäuser oder blinkenden Reklametafeln. Das Elend, den Schmutz, den Lärm,… das hat Thomas alles für mich wahrnehmen müssen.
Generell ist alles in Amerika ja das "Super"-Land, man könnte es auch das Land der Superlative nennen. alles ist das größte, kleinste, schönste, berühmteste, teuerste, ungesündeste,... Und natürlich auch das "Meist"-Land.
Und da NYC die Vorzeigestadt eben dieses Landes ist... Für manches fehlen einem da dann auch einfach die Worte (sogar mir)!
Absolut genial war z.B. auch das Toys’R’Us aufm Timessquare: Ein lebensgroßer Dinosaurier, der die entsprechenden Geräusche gemacht und sich bewegt hat – Wow! Das ein oder andere kleine Kind hat auch leicht hysterisch geschrien bzw. sich an seine Mama geklammert. Oder ein Riesenrad mitten im Geschäft, wo die einzelnen Wagons nach Spielzeugcharakteren gestaltet waren. Thomas war natürlich von der StarWars-Abteilung begeistert – ich hab mich im lebensgroßen Barbie-Haus fotografieren lassen… Also schon beeindruckend!
Im DisneyShop haben wir nur n Foto mit Goofy und der als Freiheitsstatue verkleideten Minnie Mouse gemacht, bei Build-a-Bear den Krummelmonstersound genossen und bei FAO Schwarz ist Thomas nicht auf dem Piano rumgesprungen…
Im HelloKitty-Store durfte ich mich dann austoben – und mir ein „Hello Kitty and the City“ und diverse HelloKitty-NYC-Kleinigkeiten aussuchen. Thomas weiß, was Frauen (also im Speziellen wohl ich) wollen :-)
Von einer Fahrt mit der Fähre an der Freiheitsstatue vorbei, über Ground Zero, Chinatown, Little Italy, Times Square, Empire State Building, Brooklyn Bridge, Broadway, Wall Street, Rockefeller Center, Central Park,… Wir haben alle Touri-Highlights abgeklappert. Zumeist zu Fuß – am Ende mit mehr als qualmenden Füßen. Abends war dann außer Kino am Samstag abend auch gar nix mit uns anzufangen (zumindest nicht mit mir – Thomas hat sich noch mit der Fernbedienung für den Fernseher, der zumindest die Hälfte unseres Hotelzimmer in der UpperWestSide einnahm – und das nicht, weil er so groß sondern das Zimmer so klein war!).
Morgens habe ich den schwervemissten, häufig ersehnten Bagel mit Lachs und Creamcheese und Kaffee in nem Deli gegessen
Naja. Natürlich werden Thomas und ich ein nettes Apartment (das netteste) in Manhattan haben –mit Dachterrasse (der höchsten), auf der n Pool (der größte) ist – mit Blick (dem besten) über die Stadt (der berühmtesten). Thomas hätte noch gern n Giebel – aber das steht noch zu Diskussion. Wir wollen ja nicht übertreiben :-)
17.8.06 04:07


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